Mehrheitsgesellschaft muss eigenes Verhalten kritisch hinterfragen

Am 13.12. konnte man im Oelder Lokalteil der Glocke unter der Überschrift „Tönnies-Arbeiter im Dorf kaum auffällig“ lesen wie Paul Tegelkemper, Vorsitzender des Letter Bezirksausschusses, bezüglich der in Lette untergebrachten Arbeiter von Tönnies einräumt, dass „das Gerede“ da sei und man die Situation „durchaus mit Sorge betrachte“, auch wenn er finde, dass es längst nicht so viele Probleme mit den Arbeitern gäbe, wie beim Kneipengespräch gern beschrieben. Diesbezüglich habe ich gerade einen Leserbrief an die Oelder Lokalredaktion geschrieben, den man hoffentlich in den nächsten Tagen gedruckt lesen kann. Mir ist klar, dass die Situation der Tönnies-Arbeiter im Gesamtkontext der Bedingungen in der fleischverarbeitenden Industrie, der Massentierhaltung und den allgemeinen Arbeitsbedingungen gesehen werden muss und nicht in einem Satz abgespeist werden sollte, ich wollte mich zu diesem Zeitpunkt aber vor allem auf den Aspekt der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit beziehen und weniger auf die Frage nach den Methoden der Firma Tönnies.

Leserbrief: Mehrheitsgesellschaft muss eigenes Verhalten kritisch reflektieren

Gegen bekennende Rechtsextremisten ist Oelde im April 2010 geschlossen aufgestanden. Das war ein wichtiges Zeichen und ein toller Erfolg der Zivilgesellschaft. Doch schon bei der Demonstration vor zwei Jahren war klar: Der Kampf gegen Rechts bedeutet auch, dass die Mehrheitsgesellschaft ihr eigenes Verhalten kritisch reflektieren muss. Er bedeutet, dass wir gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in allen Facetten an ihren Wurzeln packen müssen, sie erkennen und benennen müssen. Dabei geht es um unsere eigenen, vielleicht auch unbewussten Denkmuster, wie auch um die der Menschen unserer Umgebung. Der Kampf gegen Rechts beginnt am eigenen Stammtisch, im eigenen Verein, in der eigenen Nachbarschaft.

In diesem Zusammenhang finde ich die aktuelle Debatte bezüglich der in Lette untergebrachten Arbeiter von Tönnies sehr besorgniserregend. Wären die Gastarbeiter weiße, deutsche Männer, gäbe es wohl nicht das aktuelle Maß der Empörung, sondern viel mehr Solidarität angesichts der prekären Verhältnisse, in der die Tönnies-Mitarbeiter leben. Denn auch wenn Tönnies verständlicherweise sein bestes gibt, sein miserables Image etwas aufzupolieren: Die Situation der Arbeiter, nicht deren Herkunft oder vermeintliche Störungen, ist nicht hinzunehmen!

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1 Kommentar

  1. Dirk Ossenbrink

    Hallo Herr Ringbeck,

    den Ausführungen in Ihrem Leserbrief zum „Kampf gegen Rechts“ kann ich nur zustimmen. Ich lebe im erwähnten Ort Lette und eine Debatte um die besagten Arbeiter aus Osteuropa, deren Würde es ganz selbstverständlich zu wahren gilt, war für mich und für meine Bekannten aus der Dorfgemeinschaft bislang eigentlich kein Thema. Ja, hier müssen wir aufmerksam sein.

    Und wenn der von der Polizei genannte einzelne Beschwerdeführer tatsächlich ein Problem wegen Ruhestörung haben sollte, die ja bekanntlich keine Nationalität hat, dann soll er doch das Gespräch mit dem vermeintlichen Verursacher oder Vermieter suchen. Miteinander zu sprechen soll ja helfen können.

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